“Liebling, wir bringen die Kinder um” auf RTL II
Okay, eines vorneweg, die Sendung war nicht ganz so schlimm, wie ich nach den Ankündigungen, dem unsäglichen Titel und den bisherigen Erfahrungen mit RTL II im Bezug auf “Abnehmsendungen” schon fast erwartet habe. Von gut oder sinnvoll oder auch nur vernünftig war es trotzdem noch weit entfernt.
Einge wirklich gute Tipps, wie zum Beispiel die Idee mit einer Süßigkeitendose, die die Kinder einmal die Woche bekommen und die sie sich selbst einteilen müssen, oder dem Vorschlag, daß die Kids einmal die Woche für die Eltern kochen, damit sie auch lernen, selbst mit den Lebensmitteln umzugehen, gingen mal wieder unter in Effekthascherei, völlig haltlosen Behauptungen und der Vorführung von Kindern, für deren Selbstbewußtsein es sicher auch nicht gut ist, wenn Klassenkameraden sehen, wie sie im Fernsehen niedergemacht wurden und sie deshalb danach aufziehen.
Besonders schlimm war die Präsentation des Alterungsmorphings. Dafür tat es nicht der Monitor in einem Büro, nein, die Eltern wurden in einen großen leeren Raum mit schneeweißem Licht geführt. Darin stand eine angebliche Fachfrau, die perfekt geschminkt und abgepudert war. Die Eltern und vor allem die Kinder waren ungeschminkt und nicht gepudert. Dadurch sah ihre Haut blaß und speckglänzend aus.
Dann kamen die angeblich wissenschaftlich belegten Morphings. Beide Kinder wurden bis zum Alter von etwa 40 Jahren gealtert. Bei dem Mädchen wurden die glänzenden Augen zu stumpf und eingefallen geändert und das strahlende Lächeln wich hängenden Mundwinkeln. Die Haare wurden angeklatscht und fettig gealtert und die Haut stumpf und blaß. Dazu kamen an den Schultern zu sehen langweilige graue Schlabberklamotten. Bei dem Jungen wichen die Haare einer grauen Halbglatze, die Haut wurde rotfleckig, wie normalerweise bei Alkoholikern oder sehr alten Menschen und auch hier wurde das Lächeln durch einen finsteren Gesichtsausdruck ersetzt.
Dann wurde den Eltern erzählt, daß die Kinder später nicht nur unter Bluthochdruck und Diabethes leiden werden, sondern auch Schlaganfälle, Herzinfarkte und sogar Krebs bekommen, wenn sie nicht abnehmen. Dazu käme ein schlechtes Sozialverhalten, Einsamkeit und Depressionen. Und das alles wird ausgelöst durch Übergewicht. Ich würde nur zu gerne wissen, wie sie das wissenschaftlich beweisen wollen.
Zudem wurde sugeriert, daß das Mädchen statt statistischen 81 nur 63 Jahre alt werden würde (und auch bei dem Jungen wurden die entsprechenden Werte genannt). Da aber wohl selbst den Machern klar war, daß sie dafür keine wissenschaftlichen Grundlagen haben, hieß es “es könnte sein”, wurde aber trotzdem als Tatsache hingestellt.
Dann wurden die Regeln festgelegt und in 3 Wochen umgesetzt.
Neben einigen sinnvollen Regeln mußte das 14 jährige Mädchen seinen Computer, den sie zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte hergeben. Daß man ihr damit das Herz gebrochen hat und sie nur noch traurig vor sich hinstarrend in ihrem Zimmer saß, war dabei egal. Eine sinnvolle zeitliche Regelung für die tägliche Computernutzung wurde nicht einmal angedacht.
Als Freizeitbeschäftigung durften beide Kinder reiten. Eigentlich eine gute Idee, nur welche normale Arbeiterfamilie kann sich das im realen Leben leisten. Dazu kam das Mädchen in eine kleine Tanzgruppe. Man konnte zwar sehen, daß ihr das Tanzen an und für sich Spaß machte, aber zwischen den anderen Mädchen hat sie sich sichtlich nicht wohl gefühlt. Sinnvolle und bezahlbare sportliche Betätigungen, die die Kinder auch langfristig machen können, und über die sie Kontakt zu Gleichaltrigen bekommen, standen überhaupt nicht zur Debatte.
Nach 3 Wochen gab es ein zweites Morphing.
Plötzlich hatten beide Kinder auch mit 40 Jahren strahlende Gesichter, das Gesicht des Mädchens wurde gestreckt, sie bekam eine schicke, moderne Frisur und ein modisches Jackett und der Junge hatte plötzlich volles, pechschwarzes Haar. Und alles natürlich angeblich wissenschaftlich belegt. Ich hoffe, RTL II hat sich schon für den Medizin-Nobelpreis angemeldet, nachdem sie bewiesen haben, daß Haarausfall und Grauhaarigkeit nicht genetisch vorbestimmt sind, sondern nur vom Gewicht als Kind abhängen.
Fazit, alles in allerbester Ordnung.
Und was lernen wir daraus? 3 Wochen Essensumstellung und Elitesportarten und schon verwandeln sich häßliche, lebensunfähige, depressive Menschen in erfolgreiche Businessleute. Nach den Gründen für das falsche Essverhalten und vor allem nach einer Begleitung der Familie über eine längere Zeit, ganz zu schweigen von einer psychologischen Betreuung der Kinder, nachdem ihre Klassenkameraden die Sendung gesehen haben worunter die beiden mit Sicherheit leiden werden, ist keine Rede.
RTL II hat es mal wieder geschafft, eine gute und auch sinnvolle Idee in eine reisserische, traurige und nutzlose Sendung zu verwandeln.
Am 27. August 2007 um 16:54 Uhr
Das sehe ich auch so, schade nur, dass dieser Sender es nicht schafft aus alltagstauglichen und Vernünftigen Tatsachen und Vorschlägen eine Sendung zu präsentieren. Was soll denn nun aus den Menaschen werden, die nicht in der Sendung waren sollen die jetzt auch alle Lebensmittel (kostet ja nix!) wegwerfen? Und alle auch die 60 kg schwere Mama soll mitdiäten, oder besser einen extra Kühlschrank kaufen? Ganz nebenbei wiege ich 58 kg bei 168 cm und fühle mich OK wobei ich finde, dass die toll geschminkte Moderatorin einen Hauch zu dünn ist,
ob die so gesund i(s)st? Am besten Aufklären + FDH + Rückendeckung + Liebe!!!